Wölfe in Baden-Württemberg: Bereicherung der Artenvielfalt

ÖDP Baden-Württemberg fordert Verbesserung des Wolfsmanagements und besseren Schutz für Nutztierhalter

Nach 150 Jahren des Verschwindens ist der Wolf nach Deutschland und damit auch in die Wälder Baden-Württembergs zurückgekehrt. Die ÖDP Baden-Württemberg bekennt sich ausdrücklich zum Lebensrecht der Wölfe in freier Natur. Der Artenschutz dieser bedrohten Tierart hat einen sehr hohen Stellenwert, den es zu erhalten gilt. Gleichwohl gilt festzustellen, dass auch in Baden-Württemberg Risse von Nutztieren durch Wölfe Anlass zur Besorgnis geben. So starben im April 2018 auf einer nicht vollständig umzäunten Fläche bei Bad Wildbad im Nordschwarzwald 44 Tiere einer Schafherde, die teils durch „Blutrausch“ (Beuteschlag-Reflex) von einem Wolf gerissen wurden, teils in panischer Flucht in der nahen Enz ertranken.

„Wir unterstützen eine ausgedehnte Weidetierhaltung ausdrücklich. Sie dient einer Verbesserung des Tierwohls in der Landwirtschaft und der Pflege der Kulturlandschaft. Daher muss sie effektiv vor dem Wolf geschützt werden,“ fordert der ÖDP-Landesvorsitzende Guido Klamt. "Nutztierhalter dürfen mit diesem Problem nicht allein gelassen werden. Dabei muss die Vorbereitung auf den Wolf beginnen, bevor sich ein Wolf in einem Gebiet niederlässt und dieses dadurch zu einem Wolfsgebiet wird."

Schäden durch Wolfsübergriffe auf landwirtschaftliche Tiere müssen seitens der öffentlichen Hand unbürokratisch und zeitnah beglichen werden. Dabei ist die Voraussetzung für Schadensausgleich in Wolfsgebieten ein fachgerecht angewandter Herdenschutz. Dazu gehört ein hoher Elektrozaun mit hoher Spannung, der mit sogenannten Lappen versehen ist und zudem nicht untergraben werden kann. Die Errichtung und der Unterhalt sollten durch staatliche Zuschüsse aufgefangen werden. Da eine geforderte Einzäunung ganzer Weidetierhaltungs-Betriebe oder gar ganzer Regionen nicht nur unrealistisch, sondern auch unbezahlbar ist, müssen aber auch andere Wege des Schutzes gefunden werden.

In vielen Regionen Europas mit Wolfsbeständen werden erfolgreich Herdenschutzhunde eingesetzt. Auf deren Anschaffung und gewissenhafte Haltung muss durch Beratung, Schulung und Zuschüsse hingewirkt werden. Das Tierschutzrecht muss den Bedürfnissen dieser Hunde entsprechen, ohne fachgerechten Herdenschutz zu behindern.

Wölfe benötigen sehr große Flächen als Lebensraum, was in einem insgesamt dicht besiedelten Land wie Deutschland schwierig ist. Gerade deshalb ist es wichtig, die Akzeptanz für den Wolf in der Bevölkerung nicht zu verlieren. Es muss besonders auf verhaltensauffällige Tiere geachtet werden. Eine sorgfältige Beobachtung und eine selektive Besenderung sollte selbstverständlich sein. Dafür muss es genügend Fachleute geben, die beurteilen können, ob ein Wolf verhaltensauffällig ist, um auch konsequentere Maßnahmen wie eine Vergrämung durchzuführen. In Ausnahmefällen und als letzte Möglichkeit sollte auch die Entnahme eines sogenannten „Problemwolfes“ möglich sein.

Die potenzielle Gefahr, die vom Wolf ausgeht, darf nicht unterschätzt, aber auch nicht dramatisiert werden. Es muss ein realistisches Bild des Wolfes entstehen, damit der Wolf weiterhin von der Bevölkerung akzeptiert und als Bereicherung verstanden wird.

Guido Klamt, Landesvorsitzender der ÖDP Baden-Württemberg

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