Kreisverband Ulm/Alb-Donau

Zu „Land will mehr Windkraft"

Datum: 
30.12.2010

Stromerzeugung dezentral vor Ort

Alle Jahre wieder kommt ein Vorstoß aus Stuttgart für mehr Windkraft. Wer den Artikel allerdings genau gelesen hat, merkt sofort, dass es sich wieder um ein „Ja - aber” handelt, und dass zwischen Worten und Taten ein eklatanter Widerspruch besteht und die Regierung an ihrer restriktiven Haltung gegen die Windenergienutzung festhält. Das Bibelwort „Eure Rede sei ja, ja oder nein, nein”, sollte doch auch in der CDU bekannt sein.

Baden-Württemberg ist mit einem Anteil von 0,7% Strom aus der Windkraft bei der Stromerzeugung nach wie vor Schlusslicht in Deutschland. So produziert z. B. Rheinland-Pfalz mit 7% Windkraft das Zehnfache.

Bereits im Landesplanungsgesetz von 2003, wo in den Regionalplänen so genannte Vorrangflächen für Windkraftnutzung festgelegt wurden, handelte es sich im Grunde um ein Windkraftverhinderungsgesetzt. Auch damals gab es in den zuständigen Gremien die Haltung „Ich bin natürlich für Windenergienutzung, aber nicht bei uns.”.

Um das Ziel, einer weitgehenden Versorgung aus heimischen erneuerbaren Energien zu erreichen, ist die Nutzung der Windkraft zwingend nötig. Sie ist derzeit nach der Wasserkraft die günstigste Art regenerativer Stromerzeugung mit Erzeugungskosten von 4-7 Eurocent pro kWh und erbringt mit Abstand ein Vielfaches des Energieertrags pro Fläche im Vergleich zu Freilandsolaranlagen oder zur Verstromung von Energiepflanzen in einer Biogasanlage. Außerdem ergänzen sich Windenergie und Solarenergie gegenseitig gut - wenn keine Sonne scheint, bläst meist der Wind und umgekehrt.

Mit einem modernen Prognosesystem kann die Windmenge heute einen Tag im Voraus berechnet werden. Die zur Verfügung stehende Energiemenge wird damit besser planbar, Kraftwerke können ihre Produktion rechtzeitig anpassen.

Die Windkraftnutzung sollte nicht nur an der Küste im Norden gefördert werden, von wo der Strom mit riesigen Leitungen zu uns in den Süden geleitet werden muss, sondern möglichst dezentral vor Ort, da wo er verbraucht wird.

Wer die Beeinträchtigung der Landschaft beklagt, muss sich fragen lassen, wo sein Widerstand bleibt angesichts des Flächenverbrauchs für Gewerbegebiete, Einkaufszentren auf der grünen Wiese oder beim Bau neuer Autobahnen oder ICE-Strecken.

Jörg Länge
Blaubeuren